50 Jahre nach dem Afrikanischen Jahr -Ein Bild dieser nachkolonialen Periode und afrikanische Visionen im 21. JahrhundertDie aktuelle Sicht auf Afrika führt uns in die Periode: „50 Jahre Unabhängigkeit“, und mit dem afrikanischen Jahr 1960 präsentiert sich auf dem immer wieder so bezeichneten „Schwarzen Kontinent“ eine umfassende Struktur von 53 Staaten. Im Jahr 1960 haben 17 französische und britische Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangt. Bereits etwas früher sind Ghana (1957), Guinea (1958) und der Sudan (1956) unabhängig geworden. Hervorheben möchte ich dabei Ghana, weil unter Führung von Kwame Nkrumah, dem Staatsbegründer als Fackelträger Schwarzafrikas, der schwarze Stern in Westafrika unter einer progressiven Grundidee für Afrika aufleuchtete. Es war Nkrumahs Vision vom Panafrikanismus. Er engagierte sich an der Seite der neuen Führer der Dritten Welt wie Nehru, Nasser und später Sekou Tourè, Kenyatta und Nyerere für einen Einheitsgedanken der befreiten Staaten Afrikas. Jedoch nach wenigen Jahren zerfiel dieser Traum, bedingt durch die realen Machtverhältnisse des hierarchisch strukturierten internationalen Systems. Nkrumah überforderte sein Land und dessen Eliten und scheiterte (1966 durch einen Militärputsch). Damit soll aber gesagt sein, dass die panafrikanische Idee und Integration weiter getragen bis zur Bildung der AU (Afrikanische Union) wurde, einer den gesamten afrikanischen Kontinent umfassenden Institution, d.h. einer Organisation der 53 unabhängigen afrikanischen Staaten. In den Analysen über die 50jährige neue Geschichte Afrikas werden die Bemühungen der AU und die Wirksamkeit der geschaffenen NEPAD-Initiative kritisch betrachtet. Wie schwer sich die Staaten in der Umsetzung von progressiv wirkenden Integrationen, von Reformen tun, besonders im ökonomischen Bereich, zeigen uns die schwachen Entwicklungen zur Eigenständigkeit der meisten afrikanischen Länder. Sie leiden unter dem Führungsstil despotischer Politiker und Eliten. Im Vergleich der einzelnen Länder ist die Demokratieentwicklung in den letzten 20 Jahren ganz unterschiedlich verlaufen. Auch bestehende regionale Wirtschaftsgemeinschaften wie SADC oder ECOWAS haben das längst nicht im Griff und scheitern auch an den Fähigkeiten ihres Personals. Bedauerlicherweise konnten diese Institutionen des Kontinents bisher nicht ausreichend eine erkennbarere Wirkung für einen progressiven Kurs unter Beweis stellen! Die schwachen Positionen der einzelnen Länder erfordern mehr denn je eine engere Zusammenarbeit im politischen wie im wirtschaftlichen Bereich, um gerade die kolonialen Erblasten zu bewältigen und die reichen natürlichen Ressourcen und Infrastrukturen auch gemeinsam zu nutzen. Die Chancen und Verantwortung Gehen wir zurück auf den Ausgangspunkt,die Berliner Konferenz (15.11.1884 bis 20.2.1885). In Giga Focus Afrika 12/2008 heißt es: In Afrika selbst ist bis heute die Ansicht weit verbreitet, dass die Berliner Konferenz das „freie Afrika“ zugunsten eines kolonialen Systems zerstört habe, durch künstliche Grenzen und komplette und brutale Unterdrückung. Davon habe sich der Kontinent bis heute nicht erholt. Zitieren wir hierzu Mrs. Wangari Maathai, Umweltaktivistin aus Kenya (Green Belt Movement) aus ihrem Buch „Die Herausforderung für Afrika“. Tatsache ist, dass der Horror des Kolonialismus nicht vergessen sei. Die Afrikaner müssen die Verantwortung für das Auf und Ab ihrer jeweiligen Länder übernehmen. Es geht um die afrikanische Selbstreflektion. Sie sagt auch, eindeutiges Hindernis im Fortschritt Afrikas seit Ende des kolonialen Ära sind die Defizite in der politischen Führung, deren Wirkung überwiegend zu Misswirtschaft der Regierungen geführt hat. Eine interessante Aussage von Julius Nyerere: „Es gibt eine Zeit des Pflanzens und es gibt eine Zeit der Ernte! Ich fürchte, die Afrikaner haben nicht begriffen, dass sie noch nicht ernten können, weil die Zeit des Pflanzens noch nicht vorbei ist!“ Und sie ist heute noch aktuell. Der Weg in eine demokratische und wirtschaftliche selbstständige Zukunft für Afrika führt nur über die Besinnung auf die eigenen Kräfte und kulturellen Ressourcen, die im Dschungel der Widersprüche jedes Landes wachsen. Leider ist das Krisenpotential in den 5o Jahren erheblich gewachsen und hat zu unheimlich schädlichen Auswirkungen auf dem gesamten Kontinent geführt. Das störte die erwarteten Entwicklungsprozesse afrikanischer Länder erheblich. Nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten sind dirigistische Wirtschaftssysteme unter Führungsstrukturen entstanden, durch die diese Krisenherde nicht wirksam bekämpft bzw. verhindert wurden. Man spricht von der selbst zerstörerischen Machtversessenheit seiner Politiker und Herrscher (wie Banda, Mugabe, Mobuto, Moi Baschir). Weder progressiv agierende Eliten, noch die oppositionelle Masse der Zivilgesellschaft haben Veränderungen vollbringen können; es gab zu viele Verluste für sie. Ich lasse dazu R. Neudeck aus seinem neuesten Buch „Die Kraft Afrikas“ sprechen: "Die Unabhängigkeit war eine Chance, die afrikanische Staaten erhielten und die sie schlecht genutzt haben. Die Afrikaner haben sich um ihre Identität nicht ausreichend bemüht, sie haben die falschen Führer zu ihren Sprechern gemacht“.
Ganz eindeutig ist, dass die Herrscher, die Eliten die Erwartungen ihrer Völker nicht erfüllten und dem Humankapital keine Chance boten, um die zivilgesellschaftlichen Kräfte wirksam in die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse einzubeziehen. Autor: Gerd Eckert (Dipl. oec.) Den vollständigen Artikel finden Sie im Africa Positive Magazin Nr. 38/2010 |