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Die Rolle der Diaspora Print E-mail

Hallo Veye,

bevor ich mit meinem Kommentar loslege, wollte ich dir sagen, dass ich du und dein Team eine sehr gute Arbeit leistet, die nach meiner Meinung mehr Anerkennung verdient als bisher. Das sage ich, nachdem ich auch andere Artikel gelesen habe.

Nun zu meinem Kommentar. Deine Analyse stellt die Denkweise vieler Afrikanern sehr realitätsnah dar, besonders in der Diaspora bzw. in der Elite. Du hast sogar in vielen Punkten, die du erwähnt,  völlig recht! Deshalb werde ich nur ein paar Anmerkungen machen: Dass sich manche Leute über die Misserfolge anderer freuen, beruht, denke ich, auf Ignoranz. Sie sehen zwar keinen direkten Einfluß auf ihr Leben, wenn der andere scheitert, aber ihnen sind die indirekten (wirtschaftliche, soziale) Konsequenzen oft unbekannt. Wenn beispielsweise ein Afrikaner ein Kredit aufnimmt und dann Pleite geht, wird der Bankberater beim nächsten Afrikaner dreimal nachdenken, bevor er ihm einen Kredit gibt. Das ist leider einfach so!

Ähnliches gilt auch in anderen Bereichen. Es ist also Aufklärungsarbeit notwendig, um den Leuten zu erklären, was sie zu verlieren haben, sei es an finanziellen Möglichkeiten, Arbeitschancen, Image etc, wenn ein Anderer scheitert.Die Erwartung, dass manche Afrikaner der Diaspora ihre "wertvolle" Zeit bzw. Geld „einfach so“ opfern, ist, glaube ich, utopisch. Die meisten leben in Gesellschaften, die stark profitorientiert sind. Man tut heutzutage kaum noch etwas umsonst. Das gilt auch für andere Mitbürger anderer Kontinenten und nicht nur für die afrikanische Diaspora. Viele  Afrikaner der Elite haben auch Angst, ihren erreichten Wohlstand zu verlieren, weil sie sich in afrikanischen Projekten engagieren, die leider aus verschiedenen Gründen kaum Erfolgschancen haben.

Viele sind auch frustriert worden, ziehen sich darauf hin zurück und werden passiv. Ich denke, man sollte den Afrikanern der Diaspora einen guten Grund geben, damit sie sich für ihre eigene Interesse engagieren. Es klingt zwar widersprüchlich, spiegelt aber leider die Realität wider: Viele sind bereit, 20 € auf einer Party zu zahlen, be der sie zwei Stunden für die Hinfahrt brauchen. Aber nicht dazu, einen Vortrag in ihrer eigenen Uni zu besuchen, der eine Stunde dauert, Lösungsansätze für ihre Probleme oder eine kostenfreie Beratung für den Alltag  anbietet. Falls aber dahinter ein 400 €-Job versprochen wird, werden sie mehr als pünktlich erscheinen! Das halte ich aber für menschlich und will die Afrikaner nicht deswegen blamieren, denn sind andere in dieser Hinsicht besser?

Als letztes glaube ich, dass die kulturelle Vielfalt Afrikas teilweise ein Hindernis für den gesamten Fortschritt afrikanischer Länder darstellt, weil sie für andere Zwecke ausgenutzt wird. Nämlich um die Bevölkerung zu spalten anstatt ihren Zusammenhalt zu stärken. Man vergisst dabei, dass die kulturelle Vielfalt eine große Quelle für Innovationen in vielen Sektoren darstellt: Technik (Werkzeuge, Arbeitsmethoden), Medizin (Heilpraktiken), Politik (Verwaltung, Konfliktlösungen), Kunst, Tourismus etc Ich. glaube, dass jede Region Afrikas etwas auf mindestens einem dieser Sektoren zu bieten hat.

Der Grund, weshalb viele Afrikaner sich diese Unterschiede zum Nachteil machen, ist u.a., dass viele von ihnen in einem Umfeld voller Vorurteile erzogen wurden oder groß geworden sind. Man fokussiert sich eher auf Vorurteile über die Nachbarvölker, gestützt mit abergläubischen bzw. magischen Theorien. Dann ist es kein Wunder, dass die Kinder, die diese Witze und Geschichte mit Vorurteilen immer wieder gehört und selbst wiederholt haben, irgendwann wirklich fest daran glauben. Sie reisen dann ins Ausland und werden Teil der Diaspora, wo sie erstmal Vereine gründen und sie nach Dörfern X, Y und Z benennen.

Die mentale Revolution, von der du sprichst, ist wichtig und ich glaube, dass du mit dem, was du machst, schon den richtigen Weg zeigst. Ich kann nur sagen: weiter so!

Gibt es eigentlich die Möglichkeit, bestimmte Artikel wie den über die Diaspora bei jeder Ausgabe an afrikanische Email-Verteiler zu schicken? Das wäre gar nicht so schlecht für die Leute, die davon gar nichts wissen, damit sie mal fünf Minuten darüber nachdenken :-) So long, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast.          

Yannick Nke, Bochum

Last Updated ( Tuesday, 19 October 2010 11:49 )
 
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